Psychopharmaka und Alternativen


Psychopharmaka – ja oder nein?

Nahezu alle Menschen in den Industrieländern sammeln im Laufe des Lebens eigene Erfahrungen mit psychisch wirksamen Mitteln, nehmen chemische Psychopharmaka (z.B. Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Beta-Blocker, Schlafpillen) oder natürliche legale oder illegale Drogen (z.B. Alkohol, Cannabis, Opium, Cocain, Baldrian, Johanniskraut oder Nikotin).
Die Geschichte der Drogen, mit denen die Menschen ihr Seelenleben zu beeinflussen suchen, geht weit ins Altertum zurück, Drogen wurden sogar schon in prähistorischen Epochen genommen. Eine der frühesten Schilderungen über die tiefgreifende Wirksamkeit einer Psycho-Droge finden wir im 8. Jahrhundert v. Chr. bei Homer:
  „Es ersann die zeus - entsprossene Helena anderes;
  und sie warf in den Wein, von welchem sie alle tranken,
  ein Mittel gegen Kummer und Groll und aller Übel Gedächtnis ...“

Bei dem genannten Mittel handelt es sich wahrscheinlich um Opium, dessen antidepressive, stimmungshebende Wirksamkeit damals schon bekannt war.

Nie zuvor standen dem Menschen so viele Psycho- Drogen zur Verfügung wie heute:

a) Phytotherapeutika: Die Pflanzenheilkunde ist das älteste Heilverfahren überhaupt. Die Pflanze diente dem Menschen von Alters her nicht nur als Nahrung, sondern auch als Heilmittel. Etwa 13.000 Pflanzen finden als Heilmittel Verwendung. Die psychisch wirksamen Phytotherapeutika beeinflussen nicht nur regulierend das seelische Gleichgewicht, sondern haben oft auch angenehme, harmonisierende körperliche Wirkungen. Beruhigend und angstdämpfend wirken: Baldrian, Hopfen, Mohn, Kawa Kawa, Opium-Tinktur etc.. Stimmungsaufhellend und antidepressiv wirkt das Johanniskraut (Hypericum) – Näheres s.u.

b) Homöopathische Mittel sind sehr auf das Individuum abgestimmt und können bei leichten psychischen und psychosomatischen Störungen hilfreich sein. Dabei soll der „Mensch als Ganzes“ behandelt werden, damit sich das gestörte innere Zusammenspiel wieder reguliert und ordnet. Homöopathika – regelrecht eingesetzt – können auch synthetische Psychopharmaka ergänzen und unterstützen.

c) Angenehm wirkende, angstlösende Beruhigungsmittel (Tranquilizer oder Anxiolytika vom Typ Valium, Tavor, Frisium u.a.): Diese angst-befreienden Mittel wirken bei jedem Menschen und werden sehr gut vertragen – jedoch besteht das Risiko von Abhängigkeit. Dieses Risiko entsteht nicht automatisch und lässt sich – durch entsprechende ärztliche Vorkehrungen – vermeiden. Gerade für Menschen, die an Angst - und Panik-Attacken leiden, ist es eine enorme Erleichterung, 100 %ig wirksame, angst-lösende „Notfall-Tropfen“ zu haben.

d) Schlafmittel (z.B. Noctamid, Mogadan, Adumbran, Stilnox) werden allabendlich von zig Millionen Menschen genommen, um in Morpheus’ Arme zu sinken; wenn möglich, so sind natürliche Wege der Schlafförderung (Entspannung, Imagination etc.) zweifellos zu bevorzugen.

e) Legale und illegale Glücksdrogen: Alkohol, Haschisch und andere Euphorika gibt es bekanntermaßen nicht auf Rezept. Auch die meisten „speedy“- machenden Psychostimulantien (Motto: neuer „Schwung“ für die Seele) sind überwiegend illegal (Cocain, Extasy, Crack etc.) und zeigen erhebliche Risiken.

f) Neuroleptika (z.B. Haldol, Zyprexa, Risperdal) sind sehr starke Dämpfungsmittel, die v.a. von der Psychiatrie zur Behandlung von sog. Psychosen (gekennzeichnet durch akustische Halluzinationen – z.B. „fremde-Stimmen-hören“ – oder Paranoia – z.B. „Verfolgungswahn“ oder „Alles-auf -sich-beziehen“ etc.) eingesetzt werden; mit enormen Nebenwirkungen und dem Risiko bleibender Schäden muss gerechnet werden. Mit diesen Medikamenten sollte äußerst zurückhaltend umgegangen werden; manchmal sind diese Medikamente aber auch hilfreich und dämpfen psychotische Symptome. Wenn sie wirklich nötig sind, dann ist eine möglichst niedrige Dosis zu wählen. Das Absetzen sollte sehr langsam über viele Wochen / Monate und unter ärztlicher Begleitung geschehen.

g) Antidepressive Arzneien: Manche Wissenschaftler sehen das depressive Syndrom als Stoffwechsel -Krankheit, vergleichbar dem Diabetes. Tatsächlich sind bei vielen depressiven Menschen die Blutwerte der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin erniedrigt und können – allerdings nicht bei allen Klienten – durch Antidepressiva erhöht werden. Wenn wir aber fragen, wodurch diese Transmitter verringert werden (z.B. durch exogen-belastende Faktoren wie Trennung, Arbeitsplatz-Verlust, Einsamkeit, Armut, Lebensangst, Überforderung etc.), dann sind wir wieder beim psychosomatischen Ansatz.
Das bekannteste pflanzliche Antidepressivum ist Johanniskraut, das bei leichten bis mittelschweren Störungen hilfreich sein kann. Unter den chemischen Antidepressiva ist Prozac in den USA so bekannt wie hierzulande Aspirin – zig Millionen nehmen dieses Medikament zur Linderung depressiver Beschwerden (bei uns: Fluctin, Fluoxetin).
Daneben gibt es noch viele andere Antidepressiva, einige wirken innerlich beruhigend und stimmungsaufhellend, andere zusätzlich antriebssteigernd. Manche Menschen spüren unter Antidepressiva eine Verbesserung, andere lehnen jedoch eine chemische Beeinflussung ihres Transmitter-Haushalts im Gehirn ab. Bei Suizid- Gefährdeten ist bezüglich Antidepressiva besondere Achtsamkeit geboten. Die Antidepressiva sind – leider – keine Wundermit tel; nur etwa zwei Drittel derer, die sie probieren, merken einen leichten bis deutlichen Aufwind für die Seele. Die Nebenwirkungen halten sich – bei achtsamen Umgang – in Grenzen.
Die Zurückhaltung vieler Klienten bezüglich der „chemischen Behandlung der Seele“ ist zweifellos verständlich, andererseits leben wir in einer Welt, die angereichert ist von synthetischen Stoffen: Synthetik ist in unserer Nahrung (trotz Bio-Laden), in unserer Kleidung, unserer Wohnung, unserem Auto, in den Dingen unserer Freizeitgestaltung.
Bitte überdenken Sie folgendes Beispiel: Die Hirnforschung hat festgestellt, dass im menschlichen Gehirn spezifische (also genau passende) Neuro-Rezeptoren (= Empfangs-Zellen) für das Arzneimittel „Valium“ existieren. Die Schöpfung hat also – so könnte man vermuten – im menschlichen (und übrigens auch im tierischen) Gehirn Andock-Stellen geschaffen, damit das beruhigende und angstlösende Valium der Firma La Roche voll wirken kann. Das ist wahrscheinlich – so – nicht der Fall, denn der Körper selbst verfügt über einen Valium-ähnlichen Stoff. Das Gesagte aber zeigt, dass synthetische Stoffe manchmal den körpereigenen Transmittern ähnlich sind (und deshalb auch gut vertragen werden).
Also: „Chemie für die Seele“ kann gelegentlich – cum grano salis – dienlich sein, wie die Krücke bei einem gebrochenen Bein.


Weitere alternative Behandlungsmethoden

Natürlich gibt es noch viele, nicht-medikamentöse Alternativen zur Behandlung der kranken Psyche. Im Folgenden werden nur einige wenige Alternativen – kurz – vorgestellt:

Orthomolekulare Medizin:
Dieser Begriff geht auf den angesehenen zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling zurück: orthomolekular bedeutet, dass die richtigen Substanzen ('Moleküle’), z.B. Vitamine oder Spuren elemente, in einer richtigen Konzentration im Körper vorhanden sein müssen, um geistig-seelisches Wohlbefinden zu erreichen. Seit langem ist bekannt, dass ein relativer Mangel an bestimmten Vitaminen (z.B. Vitamin B1) schwerste 'schizophrenie’-ähnliche Störungen bewirken kann. Die richtige Arznei wäre dann nicht irgendein Neuroleptikum, sondern hochdosierte Zufuhr von Vitamin B1.

Das Therapie-Prinzip der Orthomolekularen Psychiatrie besteht in der Gabe von orthomolekularen Substanzen, d.h. Stoffen, die im Laufe der Evolution entstanden sind und auch natürlicherweise im Menschen vorkommen, z.B. Spurenelemente wie Zink, Magnesium, Kupfer, Eisen etc. Durch die Behebung eines Stoffmangels sollen psychische Beschwerden abgemildert oder behoben werden. In letzter Zeit untersucht die Orthomolekulare Psychiatrie darüber hinaus die gesundheitlichen Auswirkungen giftiger Metalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber, Aluminium, die auf dem Wege der Umweltversschmutzung immer mehr unsere Nahrung und somit auch den menschlichen Organismus durchdringen.

Klinische Ökologie:
Auf bestimmte unverträgliche Stoffe (etwa in der Nahrung) reagieren manche Menschen allergisch, z.B. mit einem Hautausschlag. Die Klinische Ökologie geht nun davon aus, dass individuell unverträgliche Stoffe nicht nur eine körperliche Allergie, sondern auch eine 'psychische Allergie’ auslösen können. So wären also Depressionen, Manien, Halluzinationen, Angst- und Aggressions-ausbrüche, Gedächtnisausfälle, leidvolle Persönlichkeits-Störungen usw. als allergische Reaktionen anzusehen. Diese Krankheiten sollen dann nicht durch Zuführung bestimmter Stoffe (z.B. Medikamente), behoben werden, sondern durch Weglassen Allergie-auslösender Stoffe, die in unserer Nahrung vorkommen. Durch eine – durchaus aufwändige – Diagnostik lassen sich die schädlichen Stoffe austesten.

Selbstentspannung, Autogenes Training, Atemübungen, Auto- Suggestion, Yoga, Meditation …:
Viele dieser Selbstheilungs-Techniken gehen auf uralte, seit Jahrtausenden gepflegte Verfahren zur Behandlung von seelisch-körperlichen Beschwerden und Krankheiten zurück (z.B. suggestives Behandeln durch Handauflegen oder Autosuggestion durch zielgerichtete Erwartungen im Gebet). Es handelt sich um leicht erlernbare (nicht an bestimmte Religionen gebundene) Verfahren, die man sich am besten durch eine/n erfahr. Lehrerin/Lehrer nahebringen lässt. Durch all diese Übungen erreichen Sie eine tiefgehende Selbst-Entspannung, eine Selbst-Erfahrung und vermehrtes Selbst-Bewusstsein.

Naturbetrachtungen:
Auch die Natur hat – ähnlich wie der Mensch – verschiedene Stimmungen , z.B. die Heiterkeit des Frühjahrs und die Melancholie des Spätherbstes. Indem man in der gewaltigen Natur die eigenen Stimmungen wider - gespiegelt findet, kann man das Gefühl gewinnen, in der Natur einen mächtigen Verbündeten zu finden. Dies kann das Dasein auf dieser Erde ein wenig oder gar erheblich erleichtern. Die Kunstrichtung der 'Deutschen Romantik’ hat die Bedeutung, die die Natur für die Menschen hat, auf eindrucksvolle Weise zelebriert.

Östliche Seelen-Heilkunde:
Hier könnten sehr viele unterschiedliche Richtungen aufgeführ t werden. Als ein Beispiel soll lediglich die 'Methode des Zen’ vorgestellt werden, die der japanische Psychotherapeut D.T. Suzuki als schöpferische und antiwissenschaf tliche Methode sieht, und die er den analytisch-zerlegenden, logik-orientierten Verfahren der dogmatischen Wissenschafts-Richtungen gegenüberstellt:

„Die Methode des Zen besteht darin, in den Gegenstand selbst einzudringen und ihn sozusagen von innen zu sehen. Die Blume kennen heißt, zur Blume werden, die Blume sein, als Blume blühen und sich an Sonne und Regen erfreuen. Die Blume wird nicht seziert, nicht analysiert, sie bleibt als Blume erhalten.
Das heißt, indem ich mich in die Blume verliere, kenne ich mein Ich ebenso wie die Blume. Diese Art, der Wirklichkeit gegenüberzut reten, nenne ich die Methode des Zen, die vor- oder über - oder sogar antiwissenschaftliche Methode.“


Dies ist auch das Prinzip mancher Psychotherapeuten: Den Klienten nicht analytisch und diagnostisch zerlegen, sondern ihn so, wie er ist, akzeptieren und versuchen, sich in ihn hineinzufühlen, um ihm dadurch Spielraum für Entfaltung zu schenken.

Ernährung und Psyche – Vegetarismus:
Für die psychische Stabilisierung ist es günstig, grundsätzlich auf den Verbrauch von Fleisch, Wurst und Fisch zu verzichten (also keine Tiere zu töten und zu essen). Fleisch ist für eine vollwertige Ernährung beim Menschen nicht erforderlich (und überdies verzehrt man – bekanntermaßen – mit einem Steak oder einem Lammbraten gleichzeitig eine breite Palette an Hormonen und unterschiedlicher Antibiotika).
Jeder Tieresser frage sich, ob er weiterhin Fleisch oder Wurst essen würde, wenn er das Töten nicht dem Schlächter überließe, sondern selbst handeln müsste, ein Lamm erstechen oder eine Forelle erschlagen. Erwiesenermaßen produziert ein Tier, bevor es hingerichtet wird – aus Angst – vielerlei 'Stresshormone’ (z.B. Adrenalin) in höchsten Konzentrationen, die sich in Organen und Muskulatur nachweisen lassen. Beim Verzehr von Tierfleisch werden auch diese Stresshormone einverleibt und können im menschlichen Körper erhebliche neurovegetative Störungen bewirken. Oder klarer gesagt: Wer Fleisch verzehrt, isst die Todesangst des Tieres mit. Dass dies nicht gesund sein kann, leuchtet wohl ein.

Anscheinend kannte schon Paracelsus – vor rund 500 Jahren – diesen Zusammenhang:
„Das viele Essen und besonder s das Fleischessen unterdrücken die Vernunft, machen untüchtig zu scharfem Nachdenken und erzeugen träge Gemüter, die zu jeder Dummheit und Torheit fähig sind.“

Statistiken zeigen, dass Vegetarier – verglichen mit den Durchschnittsbürgern – weniger oft krank werden und seltener chronische Leiden haben. Vegetarismus ist keine neue Erfindung, sondern hat in anderen Kulturen eine lange Tradition, beispielsweise bei den viel-hundert Millionen Anhängern des Hinduismus. Erfreulicherweise nimmt die Zahl derer, die sich vegetarisch ernähren, in Europa und Nordamerika seit Jahren beständig zu.
Viele Menschen bekennen: ich will keine Menschen töten und auch keine Tiere töten. Das Motto bezüglich Essen lautet: „ich esse nichts, was Augen hat.“

Natürlich gibt es noch viele andere alternative Behandlungsmethoden – bitte versuchen Sie selbst zu suchen, finden, lesen, forschen: Diese Welt ist voller Geheimnisse, eines dieser Geheimnisse wird auch Ihnen helfen!





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